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Die Nationale Reserve Pacaya Samiria wird von den beiden Amazonasquellflüssen Maranon und Ucayali umschlossen. Mit ihrer Größe von 20.800 Quadratkilometern und dem hohen Anteil an während der meisten Zeit eines Jahres überschwemmten Urwaldflächen, der Varzea, gehört sie zu den bedeutendsten Schutzgebieten Amazoniens. In der Reserve leben über 10.000 Angehörige vom Stamme der Kokama. Mit 525 Einwohnern ist San Martin de Tipishca eine der größeren der knapp 100 Siedlungen innerhalb des Gebietes. Die Kokama gestalten ihren Lebensunterhalt wie eh und je mit einer Subsistenzwirtschaft, die auf einfacher Landwirtschaft, Fischfang und Jagd beruht. Vor mehreren Jahren wurde in San Martin in kleinem Umfange mit Ökotourismus begonnen, der bis jetzt nur ungenügende Einkommen für wenige schafft.

Und so kam es, daß wir im Jahre 2008 unbeabsichtigt in Peru tätig wurden:

Versteckt unter dem Palmendach des Dorfladens in San Martin entdeckten wir bei unserem Besuch 2007 zwei Solarlampen, hergestellt von der Firma Solux in Deutschland. Wir gingen den Spuren nach und stießen auf ein Projekt des Klima-Bündnisses. Einer Umweltgruppe in der Gemeinde schenkten wir sechs dieser Lampen. Sie entwickelte ein interessantes Projekt und wollte ihre Gemeindemitglieder davon überzeugen, Petroleum und Batterien einzusparen und dafür lieber einen Anteil am Erwerb der Lampen zu bezahlen, die wir in diesem Falle gern mitfinanzieren wollten. Jeder Lampenbesitzer sollte sich außerdem dazu verpflichten, aufzuforsten, Müll einzusammeln und bei der Mülltrennung und -entsorgung außerhalb der Reserve mitzuwirken. Das Projekt überzeugte die Einwohner. Sie holten sich einen Techniker aus der Provinzhauptstadt Iquitos, um den Umgang mit den Lampen zu lernen. Im Dezember 2009 wurden die Teile für weitere 209 Lampen zusammen mit einem Techniker des Senior-Expert-Service von Deutschland nach San Martin gesandt. Während eines Schulungsprogramms wurden bereits 116 Lampen zusammengebaut. Die Lampen finden große Nachfrage auch in den umliegenden Gemeinden. In San Martin wurde die geplante Werkstatt für die dauerhafte Wartung und Montage weiterer Lampen 2010 von den Werkstattverantwortlichen selbstgebaut.. Zusammen mit dem Klima-Bündnis und Solux e.V. können wir das Projekt schon Anfang 2011 auf 12 Nachbargemeinden in der Region ausweiten. Zentrum für den Zusammenbau der Lampen bleibt San Martin mit inzwischen 7 Arbeitsplätzen.

Bei unserem zweiten Besuch im Herbst 2008 lud man uns zu Gemeindeversammlungen ein. Wiederum erstaunte uns, wie gut diese Gemeinde sich zu organisieren weiß und bereit ist, Projekte mit hoher Eigeninitiative durchzuführen. Kaum nach Deutschland zurückgekehrt lagen uns sechs der besprochenen Projektanträge sauber ausgearbeitet vor. Der Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Ernährungsgrundlage und dem Umwelt- und Artenschutz als Basis für einen später ausbaufähigen Ökotourismus. Die Projekte Aufforstung, Fisch- und Hühnerzucht, verbesserter Mais- und Gemüseanbau sowie Nahrungsmittelverarbeitung wurden bereits begonnen. Auch die Notwendigkeit moderne Kommunikationswege über Telefon, Internet und Sprechfunk bereitzustellen wurde erkannt ebenso wie ein günstiges Transportboot, das regelmäßig und zuverlässig bis Nauta verkehrt. Besonders wichtig ist auch die Hilfe für eine bessere Ausbildung, angefangen beim Vorschulkindergarten sowie der Ausbau eines sich weitgehend selbsttragenden Gesundheitswesens. Auf all diesen Gebeiten sind wir schon nach kurzer Zeit zusammen mit der Gemeinde über die Organisation Casa Lupuna tätig geworden.

Um die Müllsammlung wirksamer zu gestalten, wurden im Dorf 30 Abfallbehälter von einer Gruppe gebaut. Sie regelt auch die Müllentsorgung mit der Parkverwaltung der Reserve und der Stadtverwaltung in Nauta und bemüht sich die Nachbargemeinden von der Notwendigkeit der Müllbeseitigung zum Schutz der Gesundheit und der Umwelt zu überzeugen.