Junge Entwicklungshelfer feiern Gartenfest in Allmersbach

Das Tropenwetter dieses Sommers und ein parkähnlicher Garten boten einen prächtigen Rahmen für das Wiedersehen junger Entwicklungshelfer. Die Freiwilligen im Alter von 20 bis 30 Jahren hatten mehrere Monate lang unter dem Äquator in den Projekten des Auenwalder Vereins Pro Vita Andina e. V. unentgeltlich gearbeitet.

Isabelle Schulz aus Heidelberg und Martina Naef aus St. Gallen hatten mit dem Projekt Alexander-von-Humboldt-Schule und Restaurant am Chimborazo die größte Herausforderung gewählt. Ihr Einsatzort, an dem Isabelle 13 Monate verbrachte, war die indianische Hirtengemeinde Cruz del Arenal in 4250 Metern Höhe am Fuße des höchsten Berges Ecuadors. Die beiden sollten den Indios möglichst viele Grundlagen für das selbständige Führen eines Restaurants vermitteln, angefangen von Hygiene über das Bereiten einfacher landesüblicher Gerichte bis zum Wirtschaften mit den Einnahmen.

Schnell sprach es sich herum, gefördert durch Berichte in Zeitungen und Rundfunk, daß an der Straße von Ambato über die Anden nach Guayaquil ein besonderes Gasthaus neu eröffnet worden ist. Durch die überlebensgroße Humboldtstatue vor dem Schulgebäude werden die Gäste aufmerksam. Im angebauten Restaurant wurden täglich frische Forellen zubereitet.

Die Erfolge mußten hart erarbeitet werden. Nicht nur die klimatischen Bedingungen sondern mehr noch die sozialen Gegebenheiten verlangten den Mädchen viel ab. Immer wieder galt es klarzustellen, daß die Getränke des Restaurants für die Gäste bestimmt und die Einnahmen auch für neue Lebensmittel, Geschirr und Einrichtungsgegenstände zu verwenden sind.

Wenn sie sich dennoch jeden Tag freudig von der Provinzhauptstadt Guaranda zu ihrem Arbeitsort in den Anden aufmachten, so lag das vor allem an den Schulkindern. Diese haben durch den Auenwalder Verein nicht nur eine modellhafte Schule erhalten. Dort bekommen sie nach dem Unterricht täglich ein warmes Essen und wurden mit Körperpflege, wie Zähneputzen und warmem Duschen, vertraut. Isabelle und Martina bastelten, handarbeiteten und spielten mit ihnen, so daß die Kinder viel Neues lernten und bald ihre Scheu vor fremden Menschen verloren. Mit ihrem aufopferungsvollen und engagierten Einsatz in dem Projekt Schule und Gasthaus in Cruz del Arenal leisteten die beiden jungen Mädchen einen großen Beitrag, eine sehr isoliert lebende kleine Indiogemeinde an die moderne Zivilisation heranzuführen.

In der nur zwei Autostunden von der Hauptstadt Quito entfernt gelegenen Gemeinde Tocachi trafen sich Ines, Josie und Christoph aus Norddeutschland und Matthias aus Heidelberg zu gemeinsamer Arbeit. Für sie waren Tätigkeiten in dem örtlichen Kindergarten und einem zu diesem gehörenden Gemüsegarten vorgesehen. Mit jugendlichem Elan und viel Phantasie begeisterten sie die Kinder für neue Bastelarbeiten, Spiele und Musizieren und gaben in der Grundschule Nachhilfeunterricht. Bei der Feldarbeit reizte es, nicht nur den Kindergarten mit frischem Gemüse zu versorgen, sondern immer größere Überschüsse für den Verkauf auf dem Markt zu erzeugen.

Die Idee von Matthias, einen Kinderspielplatz zu bauen, führte die Freiwilligen zu einem gemeinsamen Werk zusammen. Von der Planung über die Materialbeschaffung bis zum Bau lagen die Arbeiten nur in ihren Händen. Sie verhandelten mit Firmen in der Hauptstadt und in der Provinz. Es war für die Gruppe und die Kinder ein großes Ereignis, als der Spielplatz pünktlich zur Weihnachtsfeier des Kindergartens Tocachi übergeben werden konnte.

Von großem Nutzen war die anschließende Mitarbeit von Josie und Christoph in einem Projekt zur Integration geistig behinderter Jugendlicher und Erwachsener in Pomasqui, einem Vorort Quitos. Hier waren gleichzeitig Charlotte und Rubin beschäftigt. Auch hier konnten die jungen Helfer aus Deutschland ihre vielfältigen Neigungen und Fähigkeiten bei Töpfer- und Malkursen, Musikunterricht und Feldarbeit einschließlich Rattenbekämpfung einsetzen. Rubin schloß seinen Ecuadoraufenthalt in einem Projekt der UNO zur Einrichtung von Kleinstunternehmen ab.

Bis in die Nacht hinein gab es viel zu berichten und ein reger Austausch mit lustigen Anekdoten hielt auch die zahlreichen Vereinsmitglieder in Bann. Natascha und Ulrike waren in einem Projekt für behinderte Menschen in Mexiko und hatten in diesem Land zum Teil ähnliche Erfahrungen gemacht. Alle stimmten überein, daß sie sich vieles anders vorgestellt hatten und sich sehr umstellen mussten, um sich in einem fremden Land zu bewähren. Sie haben Einblicke in die Entwicklungshilfe und Erfahrungen für ihr ganzes Leben gewonnen, haben eine Weltsprache gelernt und eine fremde Kultur gesehen. Die freundlichen und herzlichen Menschen und das Zusammenleben mit ihnen werden sie lebenslang in Erinnerung behalten. Sie werden bestimmt wieder nach Ecuador oder in ein anderes südamerikanisches Land zurückkehren und vielleicht wieder einmal in einem Projekt von Pro Vita Andina mitarbeiten.