Keine Frage, mit 1,99m Körpergröße fällt man auch in Deutschland auf. In Ecuador ist man damit aber regelrecht eine Ausnahmeerscheinung. Doch das nahm Thorsten Manthey gern in Kauf, als er ein halbes Jahr in dem kleinen Südamerikanischen Staat lebte.
Nachdem er das Abi 2004 fertig hatte, wollte Thorsten nur eins: Weg! “Ländergrenzen schränken eh nur ein”, meint er. Während seines Zivildienstes in Irland lernte er einen jungen Mann kennen, der als Volontär in Ecuador gearbeitet hatte. “Genau das konnte ich mir gut für mich vorstellen.” Thorsten nahm Kontakt zu dem Verein “Pro Vita Andina e.V.- Hilfe für Ecuador” auf, der Volontäre nach Eduador vermittelt. Nach einem Vorstellungsgespräch hatte Thorsten die Zusage in der Tasche, die nächsten sechs Monate in diesem lateinamerikanischen Land in einer Schule arbeiten zu können. Ende Januar 2006 war es dann soweit: Nach 18 Stunden Flug kam Thorsten in der Hauptstadt Quito an- mit zwölf Stunden Verspätung und das wo ihn doch seine Gastfamilie vom Flughafen abholen sollte. “Ich hatte echt nicht mehr damit gerechnet. Und doch: Unter all den Menschenmassen am Flughafen, sah ich ein Schild mit meinem Namen hervorgucken und wusste, jetzt kann nichts mehr schief gehen.”
In Tabacundo sollte der 20-jährige am Colegio Nacional als Lehrer arbeiten.
Das erwies sich jedoch als nicht so einfach.: “Um die 40 Schüler sitzen in einer Klasse- und sie sind nicht ohne. Da musste ich häufig mal durchgreifen- rein verbal natürlich.”
Nicht nur theoretisch, auch praktisch musste er mit ran. Thorsten kümmerte sich nämlich nebenbei noch um den Schulgarten. Dieser ist mehrere Hektar groß, sodass es immer allerhand zu tun gibt. Hier lehrte er den Schülern vor allem diszipliniertes und pflichtbewusstes Arbeiten, denn genau diese Punkte hindern seiner Meinung nach das gesamte Land daran, sich selbst aus seiner misslichen Lage zu befreien. Dadurch motiviert ist auch das Grundkonzept von “Pro Vita Andina e.V.” : Hilfe zur Selbsthilfe. Die Schule konnte z.B. einen Kredit von 500 Euro aufnehmen und das Geld in ein Bewässerungssystem investieren. “Durch den Verkauf der Produkte soll es ihnen bald möglich sein, den Kredit zurück zu zahlen und den Gewinn in andere Projekte zu investieren”, erklärt Thorsten.
Er betreute auch die Patenkinder, die über Spenden von “Pro Vita Andina e.V.” die Schule besuchen können- keine Selbstverständlichkeit in Ecuador. “Eine nicht geringe Zahl Ecuadorianer lebt noch immer in Lehmhäusern ohne Wasseranschluss. Zahnbürsten und Schuhe sind für einige noch immer Luxusgüter”, berichtet Thorsten Manthey. “Oft ist mir aufgefallen, wie abgestumpft die Kinder sind. Sie werden eben nicht gefördert, oft den ganzen Tag sich selbst überlassen. Pädagogisches Spielzeug und Kindergärten kann sich nur eine obere Schicht leisten. Sie jagen eben einfach die Hühner über den Hof.”
Ecuador zählt zu den Ärmsten Ländern Südamerikas- und ist landschaftlich so schön. Im Osten Regenwald, im Westen eine wunderschöne Küste, und dazwischen die mächtigen Anden. “Ich bin viel durchs Land gereist und habe den zweithöchsten Berg Ecuadors, den Cotopaxi, bestiegen. Das war schon überwältigend. Zumal ich den siebenstündigen Aufstieg an der Seite einer Marathonläuferin bewältigte. Auf dem 5900 Meter hohen Berg angekommen meinte sie nur: ‘Das ist besser als jeder Marathon!’”.
Nicht nur diesen Aufstieg hat Thorsten mit Bravour gemeistert, auch fürs Leben hat ihm der Ecuador-Aufenthalt eine Menge gegeben: “ich habe gemerkt, dass ich gute pädagogische Fähigkeiten habe. Darauf lässt sich in jedem Fall aufbauen”, lautet sein Fazit. Nun zieht es ihn erstmal nach Zittau, wo er ein Studium für Ökologie und Umweltschutz beginnt. Und wer weiß, ob es ihn danach nicht wieder in die Ferne zieht.